Eine Zeitreise durch die Badgeschichte

25. Mai 2020 | Bad

Auch wenn es für uns heute selbstverständlich wirkt:Das Badezimmer ist historisch gesehen ein Newcomer unserer privaten Wohnkultur. Erst ab dem 20. Jahrhundert setzte es sich als Standard durch. Vorher fand die Körperpflege mit Wasser vorwiegend in öffentlichen Bädern statt – oder war gar verpönt. Lagoon nimmt Sie mit auf eine Zeitreise durch die Geschichte des Bades.

Gemeinsames Baden in der Antike

Gäbe es tatsächlich eine Zeitmaschine, müssten wir sie weit zurückdrehen, um die Anfänge des Badezimmers zu entdecken. Denn schon rund 4.500 Jahre v. Chr. soll die Herrscherin im mesopotamischen Mari einen Raum mit einer Badewanne aus Ton und einer Art Dusche besessen haben. Zweieinhalb Jahrtausende später folgte das erste Flachwaschbecken aus Mauerwerk oder Keramik, dazu Öfen zum Erwärmen des Wassers. Im antiken Griechenland und Rom um 400 v. Chr. wurden die Bäder deutlich größer – und öffentlicher. Das Baden, Reinigen und Entspannen war dort eine gemeinsame Angelegenheit. Neben offenen Becken nutzten die Bürger besonders gern Dampf- und Heißluftbäder, um sich von Schmutz und Gerüchen zu befreien. Beheizte Fußböden, konstant warmes Wasser sowie integrierte Sportanlagen machten die Badehäuser der Antike zu zentralen Orten des sozialen und geschäftlichen Austauschs. Man traf sich nackt im Bad, besprach Privates und schloss Verträge.

Wasser ist unerwünscht

Auch im 12. Jahrhundert, zur Zeit des europäischen Mittelalters, wurde gemeinsam gebadet sowie debattiert und gegessen, in kleinen Badestuben. Sie waren häufig auch Orte für amouröse Vergnügungen – und das gefiel der christlichen Kirche überhaupt nicht. Sie stellte den freizügigen Bädern um 1500 sprichwörtlich das Wasser ab und schloss sie für gut zwei Jahrhunderte. Es gab aber noch einen weiteren Grund für diesen radikalen Schritt: Seuchen wie Pest und Cholera gehörten im Mittelalter zum Alltag und ließen ganze Landstriche ausbluten. Die öffentlichen Bäder galten damals als gefährlich, hier wurden die Krankheiten übertragen. Und besonders Wasser hatte einen schlechten Ruf – denn es gelangte durch die menschlichen Poren und brachte die Bakterien in den Körper. Also verzichteten die Menschen bis in die Barockzeit hinein auf das Baden. Stattdessen rieben sie sich trocken ab und puderten die Poren zu, damit die Keime außen vor blieben. Maximal die Hände und das Gesicht wurden leicht befeuchtet. Gegen die unangenehmen Gerüche half nur eines: viel Parfüm. Und die Zeitmaschine. Sie katapultiert uns schnell in die Zeit der Aufklärung.

Die Anfänge des privaten Bades

Mitte des 18. Jahrhunderts kam das Wasserbad nämlich wieder in Mode. In adeligen Kreisen wurden Séparées mit Badewannen eingerichtet. Später feierten auch die öffentlichen Bäder ein Comeback; in Hamburg etwa eröffnete 1855 die erste deutsche Bade- und Waschanstalt.65 Wannen und 56 Waschtische standen dort der ärmeren Bevölkerung zur Verfügung. Parallel prägte sich der Wunsch nach mehr Privatsphäre aus. In den Städten wurde viel experimentiert, um auch in Mietshäusern das Baden zu ermöglichen. So entstanden Stahlwannen auf Rollen, die sowohl in der Küche als auch dem Wohnzimmer stehen konnten und sich flexibel entleeren ließen. Für ein warmes Bad wurden spezielle Kohleöfen mit integrierter Wanne gebaut. Zugleich erhielten Ende des 19. Jahrhunderts immer mehr Mietshäuser einen eigenen Wasseranschluss, sodass auch Waschkommoden mit fließendem Wasser und Armaturen aufkamen. Mit dem sogenannten „Frankfurter Bad“ etablierte sich ein Konzept, mit dem sich auch alte Häuser ohne große Umbauten badetauglich gestalten ließen. Hierfür wurden Küchennischen mit Dusche oder Wanne ausgestattet und mit einem Vorhang abgetrennt. Nur die Toiletten blieben noch länger auf halber Treppe oder im Hof, oftmals ohne Wasserspülung.

Von der Nasszelle zur Wellness-Oase

Doch: Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts war ein eigenes separates Bad zu Hause ein Luxus, den sich nur wenige Haushalte leisten konnten. Dies änderte sich erst mit den zahlreichen Neubauten der Wirtschaftswunderjahre. Sie waren standardmäßig mit „Nasszellen“ versehen, Mini-Räume mit moderner, pragmatischer Badausstattung. Aber auch Altbauten erhielten flächendeckend eigene Badezimmer. In den folgenden Jahrzehnten änderten sich hauptsächlich die Farben, Materialien und Stile. Nach gedeckten Pastelltönen in den 1950/60er Jahren wurde es in den 1970/80er Jahren deutlich bunter. In den vergangenen 30 Jahren gewann das Badezimmer immer mehr an Bedeutung und Fläche: Neben seiner Hygiene-Funktion zählt heute ein individuelles Interieur sowie eine angenehm wohnliche Atmosphäre. Es wird Wert auf ganzheitlich abgestimmte Raumkonzepte gelegt, geprägt von einem geradlinigen, schlichten Design und hochmoderner sanitärer Ausstattung. Das Bad ist 2020 wieder eine Wellness-Oase. Ähnlich wie zu Beginn unserer Zeitreise im antiken Griechenland – nur, dass man das Bad heute lieber privat genießt.