Wir rollen der Badewanne den roten Teppich aus

23. März 2020 | Bad

Auch wenn es für uns heute selbstverständlich wirkt: Die Badewanne hat alles, was einen echten Star ausmacht: Sie ist unheimlich anziehend, schenkt uns eine gute und anregende Zeit. Sie geht auch mal neue Wege, bleibt sich im Herzen aber treu. Zeit für ein historisches Porträt dieses Stars.  

Glamour seit Jahrtausenden.

Egal wo, egal wie groß – betritt man ein Badezimmer fällt der Blick oftmals unwillkürlich und unmittelbar auf die Badewanne. Allein ihre raumgreifende Größe sorgt für eine herausragende Präsenz, der man sich kaum entziehen kann. Und dann all die Assoziationen: Ein warmes Bad gehört für viele zu den angenehmsten Entspannungsritualen überhaupt. Tür zu, Zeit für sich. Dazu ein Buch, ein Film oder einfach komplette Stille. In der Wanne geht es nicht nur ums Waschen und die tägliche Körperhygiene – sie ist ein Rückzugsort, an dem man mit allen Sinnen genießt, sich selbst einen guten Moment schenkt. Und zwar schon seit sehr langer Zeit, kein Wunder also, dass die Badewanne zu den größten Stars der Badgeschichte gehört. Bereits mehrere Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung wussten wohlhabende Menschen die Vorzüge eines eigenen Bades zu schätzen. Im antiken Griechenland und Rom stellten sich die Adeligen schwere Wannen aus Ton ins Haus. Im Gegensatz zu den großen Becken der öffentlichen Bäder bot die heimische Wanne den perfekten Rahmen für etwas Abstand und Privatsphäre. Sie war auch Teil der damaligen Gastfreundlichkeit: Im frühen Griechenland gehörte es zum guten Ton, dem willkommenen Gast ein Bad zu bereiten. Die Wanne pflegte also von Beginn an – ganz star-like – eine repräsentative Note und besaß ihren eigenen Glamour. Sie wusste sich in Szene zu setzen, besonders in ihrer Form und ihrem Material. 

Natürlich ging sie dabei immer mit der Mode.

Statt Ton bevorzugte man im Mittelalter hölzerne Badezuber. Allerdings wurden die irgendwann undicht oder faulig. Ab dem 18. Jahrhundert waren in höfischen Kreisen Kupfer- und Bronzewannen en vogue. Wer es sich leisten günstige und konisch zulaufende Zinkblechwannen auf – sie hielten sich bis in die 1950er Jahre hinein. Samstags hatten sie ihren großen Auftritt: Dann war bei vielen Familien Badetag, mit einer warmen Wasserladung für alle. Aufgestellt wurde sie in der Küche oder einem anderen Wohnraum. Besser gestellte Bürger mit einem Wasseranschluss in der Wohnung konnten auch eine Nummer größer genießen. Etwa in Badewannen aus emailliertem Gusseisen auf kunstvoll geformten Klauenfüßen, die um 1900 ihre Hochzeit erlebten. Auch wenn sich die Formen später immer wieder änderten – Gusseisen sorgt bei Badewannen noch heute für langlebige und elegante Karrieren. Weniger Gewicht bringen dagegen die Kunststoff-Wannen auf die Waage – und im Fitness-Zeitalter ist das für viele ein starkes Argument. Entsprechend prägen Acryl-Modelle seit rund 30 Jahren viele Bäder.

Frei oder eingebaut? 

Selbstverständlich ist bei der Inszenierung eines Stars auch der Ort entscheidend: Historisch gesehen, stand die Wanne meist frei im Raum. Erst in den pragmatisch eingerichteten und oftmals kleinen Badezimmern der Mitte des 20. Jahrhunderts neu gebauten Mietshäuser wurde die Wanne an die Wand, nah an die Wasseranschlüsse, gepresst. Gern auch eingefasst in einen vollständig umlaufenden Fliesenspiegel. Diese „Alles-aus-einem-Guss“-Optik hat natürlich ihren Reiz. Und auch die Badewanne weiß in dieser Umgebung zu glänzen. Doch ein Star braucht ebenso Luft zum Atmen, zum Entfalten und Wirken. Deshalb ist in den letzten Jahren eine Rückbesinnung zu erleben. Die Wanne rückt weg von der Wand, raus aus dem Fliesenkorsett. Sie stellt sich wieder häufiger mitten auf die Bühne und wird zum Zentrum des Badezimmers. Bestenfalls mit einembeeindruckenden Ausblick – beispielsweise auf die Skyline einer Metropole, die unberührte Natur oder einen grünen Hinterhof. Das ist großes Kino! 

Die Formenvielfalt der Wanne 

Was macht einen Star noch aus? Dass man ihn immer wieder erkennt, egal wie sehr er mit seinem Äußeren experimentiert. Mit ihrer typischen, körperlangen Bauchform ist die Badewanne seit mehr als 4.000 Jahren ihrer Grundform treu geblieben. Natürlich auch aus praktischen Gründen. Immerhin sollten zwischen 100 und 150 Liter Wasser hineinpassen, um den Körper vollständig mit einer warmen flüssigen Decke zu verwöhnen. Dennoch ist die Wanne offen für neue Hüllen. So präsentiert sie sich heute vielseitiger denn je – vier- oder sechseckig, halbrund oder oval, geradlinig oder geschwungen. Aber: Sie bevorzugt schon das klassische Weiß, auch als Ausdruck der mit ihr verbundenen körperlichen und seelischen Reinheit. Wie im Star-Geschäft gibt es auch in der Geschichte der Badewanne One-Hit-Wonder: die Schaukelbadewanne etwa. Der Berliner Klempner Carl Dittmann erfand sie Ende des 19. Jahrhunderts. Ihr charakteristisch gewölbter Boden mit einem gekrümmten Rückenteil ermöglichte es, die leichte Blechwanne zum Schaukeln zu bringen und selbst angenehme Wellen zu erzeugen. Auf relativ geringer Fläche konnte man so auch in engen Räumen zu Hause baden. Dittmann ließ seine Idee patentieren  und verkaufte viele tausend Exemplare. Allerdings waren die Bewegungen auf Dauer etwas anstrengend und so schafften es bequemere Wannen ins Rampenlicht. Grand Dames und persönliche Stars. Natürlich gibt es auch unter den Stars Unterschiede. A-, B- und C-Promis, die Grand Dames und die Stars der kleinen Bühnen. Bei der Wanne ist dies nicht anders: Die teuerste der Welt heißt denn auch „La Grand Queen“. Über eine Million Euro soll sie gekostet haben und in Dubai stehen. Sie wurde aus einem Block des extrem seltenen und sehr widerstandsfähigem Caijou gefertigt, der über mehrere Millionen Jahre in den vulkanischen Regionen Indonesiens entstand. Dieser einzigartige Luxus stehen die vielen deutlich günstigeren Klassiker gegenüber, die oftmals schon für unter 1.000 EUR das eigene Bad bereichern. Und das tun sie auch ganz ohne teuren Stein: Denn solange genügend Wasser zwischen 36 und 38 Grad darin Platz findet, wird selbst die einfachste Wanne zum Star.

Die Badewanne als Filmstar

Die Badewanne spielte in zahlreichen Kinofilmen eine der Hauptrollen. Sie ist immer wieder der Drehort lustiger, erotischer oder gruseliger Szenen. Julia Roberts hört in „Pretty Woman“ in einer riesigen Wanne Musik und singt beseelt mit. In „American Beauty“ nimmt Mena Suvari ein legendäres Rosen-Bad. Und Liz Taylor badet in „Cleopatra“ als ägyptische Prinzessin und spielt nebenher mit einem vergoldeten Boot. Kate Winslet sitzt in der Wanne, als sie in „Der Vorleser“ gebannt zuhört. Unangenehm wird es in „Die Teuflischen“ und in Hitchcocks Klassiker „Psycho“ – dort ist die Wanne Tatort zweier Verbrechen. Überaus witzig sind dagegen die Gespräche von Loriots „Herren im Bad“.